Umsetzung der oase im Lageralltag



Folgende Gedanken und Situationen zeigen auf, wie und mit welcher Wirkung die oase in den Lageralltag und in das Lagerprogramm integriert werden kann. Diese Beispiele können auch als Grundlage für die Auseinandersetzung im Team gebraucht werden.



Suchtprävention und Gesundheitsförderung im Sinne der oase

Suchtprävention und Gesundheitsförderung kann nicht nur mit Informationen und Diskussionen erreicht werden. Wichtig ist, dass sich die Kinder und LeiterInnen wohl fühlen, ernst genommen werden, Konflikte vernünftig austragen können, zusammenarbeiten etc.

Das alles kann im Lageralltag und im Lagerprogramm gefördert werden und führt zu einem guten Selbstwertgefühl, welches sich wieder positiv auf die Gesundheit auswirkt.


Gedanken und Ideen für das Lagerleben

  • Kinder und Jugendliche können im Lager gezielt und bewusst integriert werden. Dieses Gefühl des echten "Angenommen-Seins" kann das Selbstwertgefühl einer Person massgebend steigern. Leute, die sich nicht integriert fühlen oder sogar ausgestossen werden, fühlen sich seelisch ungesund und können suchtanfälliger werden.

  • Im Lager wird durch Zusammenarbeit viel erreicht. Alle Fähigkeiten können gebraucht werden. Jedes einzelne Kind ist stolz auf Erreichtes. Der Lageraufbau kann z.B. so gestaltet werden, dass die Kinder nicht nur "Handlanger" sind, sondern dass auch ihre Wünsche und Ideen umgesetzt werden. Kinder werden dadurch ernst genommen.

  • Suchtprävention und Gesundheitsförderung findet überall und immer statt - auch in "unpassenden" Augenblicken, wenn Ausgrenzungen, Verlierer sein, Suchtmittelmissbrauch bei den Kindern oder LeiterInnen, Heimweh, Stress, Angst etc. aufkommen. Diese sind oft nicht vorhersehbar. Wenn sich aber das Leitungsteam vor dem Lager mit der Suchtpräventionsthematik auseinandergesetzt hat, werden LeiterInnen auf solche Momente mit einer gewissen Gelassenheit und Ernsthaftigkeit begegnen können. Es liegt auch gut drin, wenn mal Konflikte ausgetragen werden. Sie können - gut gelöst - viel Ungesagtes und Unbequemes auf den Tisch bringen und zu neuen Lösungen führen.

  • Rituale bestimmen unser Leben. Diese fördern in einem Lager den Gemeinschaftssinn. Rituale können sehr gut in das Lagermotto verpackt werden. Einige Beispiele: Aufnahmerituale, stille Momente, Feste, Lagerfeuer, Tagesabschluss, Gruppenzeichen, Gruppenplatz, Geheimnisse etc. Das Fehlen von Ritualen führt dazu, dass die Teilnehmenden selber ihre Rituale entwickeln. Meistens ist das gut. Es kann aber auch zu negativen Ritualen kommen wie gefährlichen Mutproben, kleinen "Bandenkriegen", Sucht-Ritualen, Mobbing etc.

  • Wenn das Team die Augen und Ohren offen hält, kann die Stimmung einzelner und der Gruppengeist beobachtet werden. Wenn das Team merkt, dass sich nicht alle wohl fühlen, kann es entsprechend reagieren. In der Teamsitzung kann beispielsweise das Thema Stimmung zu einem festen Traktandum werden. Entsprechende Massnahmen wie Gespräche, Rituale etc. können ergriffen werden. Allerdings geht es nicht darum, eine dauernde (künstliche) top-Stimmung vorzugaukeln. Auch eine weniger gute Stimmung hat ab und zu seine Berechtigung.

  • LeiterInnen sind für Kinder Vorbilder. Oft sind sie sogar Idole mit einem enormen Einfluss. Wenn sich alle LeiterInnen dessen bewusst sind, wird die Vorbildrolle besser verstanden und entsprechend gehandelt. Kinder achten auf den Umgang der LeiterInnen untereinander und übernehmen oft auch die Haltung, den Stil oder sogar Hobbys ihrer LeiterInnen.

  • In der Lagervorbereitung darf die Freizeit nicht vergessen gehen. Oft bietet die Lagerumgebung viele Beschäftigungs-möglichkeiten für Kinder und LeiterInnen. Mit entsprechen-den Lagerregeln und mit Einrichtungen wie Spielfelder, Bastelmaterial, Klettergerüsten, Bällen etc. erreicht man, dass sich die Kinder selber beschäftigen können, und dass LeiterInnen nur noch präsent sein müssen. Wenn Beschäfti-gungsmöglichkeiten fehlen, kann das zu den gleichen Problemen führen wie unter dem Punkt „Rituale“ beschrieben.

  • Wichtig ist auch die Kreativität der Kinder. Diese kann im Lager problemlos einbezogen und gefördert werden. Das Motto, der Lageraufbau, Spontantheater, Bastelarbeiten, Hilfe beim Kochen, die Gestaltung des Lagerhauses, die Mitgestaltung von Spiel- und Sportblöcken etc. sind einige Möglichkeiten. Kinder können dabei neue Fähigkeiten entdecken und machen die Erfahrung, dass sie etwas bewirken und aktiv sein können. Ausserdem macht die Förderung der Kreativität während der Kindheit den Weg frei für kreatives, lösungsorientiertes Vorgehen bei Problemen und Konflikten.

  • Im Lager sind Grenzerfahrungen wichtig und alltäglich. So können Kinder auf Wanderungen und in Sportblöcken in die Nähe ihrer körperlichen Grenzen kommen. Grenzen gibt es auch im Bereich der Angst (Nachtaktivitäten, Mutproben), mit Lampenfieber (Theaterauftritte), der Müdigkeit und im Zusammenleben (verzichten, sich zurückziehen können, Enttäuschungen, Konflikte,). Meistens wirken sich Grenzer-fahrungen positiv aus. Sie können Fähigkeiten erweitern und die Persönlichkeit stärken. Es sind aber auch Grenzübertretungen möglich. Sie sind schwierig vorauszusehen und oft schneller erreicht als man sich das bewusst ist. Auf diese muss gut reagiert werden. Sie brauchen Zeit, Vertrauen und/oder offene Gespräche. Kinder dürfen dabei nicht "ihr Gesicht verlieren" und müssen fair behandelt werden.

  • Das Lager generell ist ein Erlebnis. Trotzdem braucht es im Lager immer wieder Höhepunkte, Abenteuer, spassige Unterhaltungen, stimmungsvolle Momente etc. Die Vielseitigkeit ist eine der grossen Stärken der Kinder- und Jugendorganisationen. Mit einem abwechslungsreichen Programm erreicht man viele Kinder.

  • Im Lager gehört auch das Geniessen unbedingt dazu. Sei es bei einem guten Essen oder Dessert, mit einer Massage, einem spannenden Spiel oder auch mit dem gemeinsamen Abend im Team, wo durchaus auch ein Bier genossen werden darf. Der Unterschied resp. der fliessende Übergang von Genuss zur Sucht ist im oase-Ordner gut beschrieben.

  • Mit Gesprächen, Rollenspielen und Tischgedanken kann auf aktuelle Themen im Lager eingegangen werden. Es gibt sehr viele gute und spielerische Diskussions- und Theaterformen, welche auch Gespräche mit einer gewissen Tiefe und Offenheit ermöglichen. Gespräche fördern das Vertrauen und können Probleme lösen.

  • Viel Bewegung , ausgewogenes Essen, die frische Luft und eine gut eingerichtete Lagerapotheke sorgen im Lager für die körperliche Gesundheit. Das Lagerteam ist für die Gesundheit der Kinder verantwortlich und hat immer die nötigen Massnahmen zu treffen. Dazu gehört z.B. ein vernünftiges Sicherheitskonzept für Unternehmungen.


Weitere Gedanken und Ideen:


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